Rotlaui, endlich wieder mal etwas....

Die Rotlaui ist von Guttannen aus für mich im Frühjahr oder bei obenaus nicht gerade einladenden Wetterbedingungen durch aus eine Option. Immer etwas im Hosensack, in den letzten Jahren aber fast nie etwas Zählbares im Rucksack wollte mich dieses Gebiet nicht mehr richtig gern haben. Trotzdem wagte ich auch heuer einen Ausflug an den Fuss der Kammegg. Ich machte mich von der Wasserfassung der KWO aus auf den Weg ins steile Gelände. Hie und da etwas für den Hosensack, immer ein Auge auf das wechselhafte Wetter kraxelte ich den Graben hoch. Der Grübel grübelte doch an einigen Stellen im Dreck die mir verheissungsvoll schienen, aber vorerst wollte nichts gelingen. Aber dann: Eine Stelle, an der nicht einmal das genannte Werkzeug einen Ersteinsatz verrichten musste: Glänzende, klare Flächen lugten aus dem Dreck. Erstmals an diesem Tag suchte ich eine geeignete Stelle um meinen Rucksack sicher deponieren zu können. Die ersten, für meine Rotlaui Vehältnisse recht grossen Strahlen klaubte ich von Hand aus dem Dreck. Was für eine Freude. Stück um Stück durfte ich ausgraben, wobei mein Strahlerwerkzeug nun doch noch zum Einsatz kam.

Etliche schöne, nicht chlorittige Spitzen reinigte ich mit Speuz und den nicht mehr gerade sauberen Hosen und da, da kamen die ersten Phantomquarze zum Vorschein. Nach ich die Steine an allen möglichen, einigermassen Sicheren Stellen ringsum deponiert hatte musste ich mich um einen sicheren Lagerplatz kümmern. Mit dem Pickel wurde ein Depot errichtet. Nach etlichen Einzelspitzen durfte ich einige handgrosse Stufen aus dem Dreck befreien. Eine davon, mit drei daumengrossen Spitzen kam mir vor wie Eiger, Mönch und Jungfrau. Die Rotlaui hat mich eben doch noch gern. Mit dem Pickel im Grobvortrieb von Hand die Feinauslese und mit dem Grübel etwas zwischendurch, so verweilte ich lange Zeit an ein und derselben Stelle. Beim Einpacken zogen sich meine Mundwinkel etliche Male nach oben, sicher waren im platschvollen, schweren Rucksack einige Topstücke dabei. Zu Hause angelangt konnte ich meinen Gwunder nicht lange im Zügel halte. Vor Allem Eiger, Mönch und Jungfrau interessierten mich sehr.

Am Brunnentrog befreite ich das Stück vom Lehm. Meine Augen wurden noch weiter als beim Einpacken. Nicht nur daumengross herrlich nebeneinander, sondern auch alle drei waren Phantomquarze, einfach fabelhaft. Ein echtes Vitrinenstück, eine gelungene Entschädigung für die vergangenen, mageren Jahre.

 

Übrigens: Tage später durfte ich etwa 15 Meter nebendran eine zweite Kluft öffnen. Die Kristalle waren noch grösser, fast alles Phantomquarz. Leider schon vor Jahrtausenden mit zu wenig Platz in der Kluft im Berginnern. Viele Scherben, Bruchstücke, und halbe, verheilte Spitzen. Diesmal blieben die Mundwinkel beim Waschen am Trog meist unten. Aber fürs 2017 durfte ich mit der Rotlaui mehr als zufrieden sein. Bis zum nächsten Jahr.