Die Lücke am Hinteren Tierberg

 

Seit einigen Jahren fasziniert mich die Oberaar. Fleissigen Grimselkristall Lesern wird dies kaum entgangen sein. Mein Pfad muss sicher kein markierter Wanderweg sein, lieber laufe ich ohne Wegzeichen meiner Nase nach. An gewissen Stellen allerdings sind Ortskenntnisse klar von Vorteil. Jahre zurück kraxelten ein Kollege und ich zwischen vorderem und hinterem Tierberg eine Rinne hoch, auf der anderen Seite im steilen und losen Blockfels wider auf den Gletscher hinunter. „Walter, ich kann nicht nach Kristallen suchen, ich muss um mein Überleben kämpfen“ sagte damals mein Begleiter. Zugegeben, der Abstieg auf der Nordseite hatte es in sich.
In derselben Kette befindet sich einige hundert Meter weiterwestlich ebenfalls eine Rinne. Breiter, im unteren Teil mehr loses Gestein, an der steilsten Stelle mit einem Seil ausgestattet, Geübte Bergler meistern diesen Aufstieg fast mit den Händen in den Hosentaschen. Und die andere Seite? Auch steil und brüchig? Ganz und gar nicht, die Lauteraar tut sich auf, wunderbare flache Felsplatten laden fast zum Zelte ein, keine Spur von schwierig. Auch der Tritt auf den Gletscher ist an der richtigen Stelle keine Kunst.
Nach dem Aufstieg auf den hinteren Tierberg steige ich wieder denselben Weg zurück in die Oberaar mit dem Wissen, dass dieser Übergang schon beim ersten Mal wesentlich ringer gewesen wäre. Vielleicht finde ich noch eine Passage, die man mit dem Fahrrad meistern kann….