Oberaar 2016 zum Dritten

 

Endlich, beim dritten Anlauf konnten wir die vorab eisfreie Kluft sofort finden. Ringsum immer noch von Schneeresten und Eis gesäumt hatte sich die Schaufelei des vergangenen Strahlertages doch gelohnt. Etliche ganz leicht rauchige Kristalle konnten von uns geborgen werden. Einige wiesen auch eine nicht unbeliebte, innere Verfärbung von Phantom auf. Da der Hohlraum mit Wasser gefüllt war erlitt man das Tauchen mit den Armen nicht allzu lange. Das eiskalte Wasser zeigte uns harten Berglern unsere weichen Grenzen der Kaltwasserstrahlerei auf. Abwechslungsweise tasteten wir uns in der Kluft nach hinten und förderten Kristalle, Kies, Schlamm und, auch das noch, Eis zum Vorschein. Also war das noch nicht die letzte Tour zu diesem Loch. Die Sonne musste wirken und ein Schlauch musste her.

Gesagt, getan. Die Sonne hatte ihre Arbeit geleistet und der Schlauch…. Was? Kein Wasser mehr in der Kluft? Trocken. Das beim Aufgang der Sonne bei der Kluft im Herbst auf einer Höhe von etwa 2800müM. Kaum die Hände im Loch kam auch das Wasser wieder. Aha, also in der Nacht schon alles Stein und Bein gefroren. Und sobald die Sonne am Morgen ihre Strahlen oberhalb auf den Gletscher schickte, begann dieser zu schmelzen. Und ein Bächlein floss durch unsere Kluft. Der Schlauch kam zum Einsatz und erlaubte uns jeweils nach dem Wasser Absaugen einen kurzen Blick ins Loch, so dass wir und nicht nur auf das Gspüri verlassen mussten.
Am Boden lose Kristalle und an der Decke konnten wir zwei schöne Handstufen lösen, bei denen ich mein Können in Sachen Freudenjutz nicht für mich behalten konnte. Mein Kollege allerdings bezeichnete meine Freudenlaute nicht gerade als Können.
Der Hohlraum schien sich gegen hinten nicht zu öffnen. Keine nennenswerten Flächen mehr zu sehen oder zu spüren. Wir beratschlagten uns. Hinten unten in der Kluft stiessen wir übrigens wieder auf Eis. Nur in einer kleinen Öffnung, etwa 4 Zentimeter gross. Wer das Eis in einer Kluft wegspitzt zerstört vielleicht auch die darin liegenden Kristalle, das weiss man. Wir entschlossen uns, den Tatort zu verlassen. Die Rucksäcke ordentlich gefüllt machten wir uns zufrieden auf den nicht gerade kurzen Rückweg.

 

Die grössten Kristalle aus dieser Kluft kamen bei einer Tour meines Kollegen zum Vorschein Das Eis endlich alles geschmolzen konnte er die zuletzt vereiste Öffnung aufweiten und wunderbare Kristalle ans Tageslicht befördern. Ebenfalls beim Nachstochern am Boden in an den Kluftseiten konnte er noch einige kleine Taschen leeren und diesen wunderbare Mineralien entnehmen.

 

Alles in allem: Dieses Jahr ein sehr aufwändiges Unterfangen. Immer dieselbe Kluft, lange Reisezeiten, etliche Enttäuschungen und schlussendlich beim Teilen der Strahlen grosse Freude und Genugtuung über den vergangenen Strahlersommer. Nicht zu vergessen die unvergesslichen Bilder im Kopf über die Strahlerei, Tiere, Wetter, Kollegen Auf- und Abstiege, Gespräche und Erlebnisse.

Vielen Dank für diese Saison