Fortsetzung folgt...

Der nette Herr vom letzten Strahlerausflug stellte mir tatsächlich seine Fotos aus der Oberaar einige Tage nach unserer Begegnung zu.

Der Wunderherbst 2015 zog sich in die Länge. Erst nach Mitte November war die Strahlerei in höheren Lagen nicht mehr möglich. Obwohl die Sonne immer tiefer stand und die Zeit der langen Nächte angebrochen war wollte ich einen dieser super Herbsttage noch nutzen und mir einen Strahlertag gönnen. An den nordseitigen Hängen war ans Grübeln nicht zu denken, lag doch dort schon seit langem eine Schneedecke. In den Südhängen jedoch waren Touren bis 3000müM ohne Gamaschen ohne weiteres möglich. Ein Kollege hatte das gleiche Ansinnen und so zottelten wir in der Morgendämmerung los. Auch in den höheren Gefilden war Väterchen Frost frühmorgens nur schwach zu spüren, so dass die Marschbekleidung bald reduziert werden konnte. Nur de böige Föhn blies uns zeitweise die kalte Morgenluft bis in die untersten Kleidungsstücke. Unsere Route führte uns über einen Gletscher empor. Der kalte Untergrund und die Tatsache, dass sich unser Tal quer zu den wärmenden Sonnenstrahlen befand und somit sehr schattig war liess den Neuschnee der Vorwoche kaum schmelzen. Wir entschlossen uns, nördlich des Gletschers über die Felspartien dem Gletscher entlang unserem Ziel entgegen zu steuern. Schon x Male dort gewesen stellten wir fest, dass uns die Gegend aus dieser Perspektive doch fremd war: Anstatt Zeit und Kraft zu sparen mussten wir von einer Felsrippe wieder viele Höhenmeter hinuntersteigen um dann doch noch über den tief verschneiten Gletscher unser Tagesziel anpeilen zu können.

Wenigstens zeigte sich die letzte halbe Stunde Marschzeit gütig mit uns, kehrten wir doch immer mehr in Richtung Norden, das heisst den Sonnenhängen entgegen, ab. Abwechselnd im Voraus waten erreichten wir die von mir angeschriebene Stelle. Die Sonne begann ihre Kraft zu entfalten. Wo bei unserem Eintreffen noch das über Nacht gefrorene Wasser an den Felsen klebte rauschten alsbald fröhliche Bächlein ins Tal. Nach einer kurzen ZWIPF (Zwischenverpflegung….) stiegen wir mit wenig Werkzeug bewaffnet zur Fundstelle hinunter. Beim letzten Verweilen an dieser Kluft war der letzte Griff ins dunkle Loch mit grossem Erfolg gekrönt, durfte ich doch einen wunderbaren Bergkristallstern ans Tageslicht befördern. Würde diese Kluft noch mehr derartige Schätze bergen?

 

Auf der linken Kluftseite machte sich mein Kumpan mit dem Spitzeisen daran, das Quarzband auf zu spitzen. Meine Wenigkeit grübelte mit dem Grübel in der Kluft herum. Spitzlein und einige Fünfliberspitzen kamen zum Vorschein. Das Abtragen des Quarzbandes zeigte sich als wenig lohnenswert. Hinten dran zog sich das Band immer weiter und enger nach rechts. Und wurde kompakter und härter.

 

Wie das eben so ist, wenn man nur die Kristalle ohne Arbeit herausgrübeln kann, vergisst man oft den Boden oder die Decke nachzubearbeiten. Der Boden schien teilweise noch etwas zu verbergen. Wir lockerten das Gestein und den Dreck und siehe da: Flott guckten uns einige nicht genau definierbare Mineralien an, ja sogar unglaubliche Farbmuster wiesen diese auf. Das Eine rot, das Andere blau und aussen je ein Kristall…..

 

 

Ach, natürlich war das die Verpflegung, die mir meine zufällige Bekanntschaft vom letzten Strahlerausflug per Post zugestellt hatte. Ein kleiner Scherz liegt wohl noch drin. Eine Kiste voll mit Schokolade und sonstigen Verpflegungsleckereien, die den gröbsten Hunger den Garaus machen können. (Habe ich damals über zu wenig mitgenommene Verpflegung geklagt?)
Was ich eigentlich sagen will: Es ist zuweilen wunderbar wie sich aus einer zufälligen Begegnung etwas entwickeln kann. Ich meine nicht die Schokolade, sondern das Gespräch vor Ort, die nachfolgenden „Briefwechsel“, Bilder, geteilte Freude an der Natur. Ich bin fast sicher, dass wir uns einmal in der Oberaar wiedersehen werden.  Toni, vielen Dank dass ich dich kennenlernen durfte.
 

Zurück zum tatsächlich letzten Strahlertag in der Oberaar. Nicht schwer beladen, aber doch mit behäbigem Rucksack traten wir nach dem Verpacken der Mineralien und einer schokoladenen Mahlzeit den Rückweg über den Gletscher an. Wir versäumten uns noch an einigen Stellen am Gletscherrand, die wir sicher irgendwann nochmals besuchen werden, trotteten dem Oberaarsee zu und erreichten müde aber glücklich über diese Novembertour unser Rückmarschziel.

Und die Moral von der Geschichte: Es zeigt sich wieder einmal, dass Kristalle dann zu ihrem Finden kommen wenn sie es wollen, nicht wenn der Finder es unbedingt will. Haupsache ein schöner Tag, viel gelacht, glücklich und müde wieder zurück.