Scheuchzerhorn 2015

Und diesmal? Sollten wir das Scheuchzerhorn tatsächlich erklimmen können und oben die Aussicht geniessen? Eins nach dem Anderen. Frühmorgens machten wir uns zu dritt auf, um zwei gesellige Tage miteinander zu verbringen. Die Temperaturen in der Oberaar waren noch sommerlich angenehm, so dass im Rucksack mehr Proviant als warme Kleider mitgenommen werden konnten. Am Fusse des Tales zum Scheuchzerjoch teilten wir uns auf und vereinbarten einen Treffpunkt weiter oben um die Mittagszeit. Wein Weg führte über die Moräne hoch zum Gletscher. Oben angelangt querte ich, auf und ab; hin und her suchend, zum südlich auslaufenden Sporn des Scheuchzerhorns. Von meinen Kollegen war weit und breit nichts zu sehen. Wahrscheinlich bin ich eben nicht der alles Absuchtyp, sondern eher derjenige, der marschiert und über eine offene Kluft stolpern muss um Kristalle zu finden. Nach dem Auffüllen der Flasche mit sichtlich mineralienhaltigem Gletscherwasser und einer Stärkung aus dem „Zniiniseckli“ erspähte ich weiter unten meine beiden Kumpanen. Eigentlich wollten wir eine Stelle widerfinden, bei der wir vor Jahren nicht unbedingt wüste Kristalle fanden. Aber wie das mit einer Landschaft beim heutigen Gletscherrückgang eben sein kann: Die Stelle war nicht mehr auffindbar. (Was nicht heisst, dass sie nicht mehr da ist, aber wir konnten sie einfach nicht mehr finden….). Wir beschlossen, dann halt das Scheuchzerhorn zu besteigen und unser Glück dort oben zu versuchen. Über die Westflanke erreichten wir den Südgrat, um diesem entlang auf das Horn zu steigen. Und siehe da: Tatsächlich fanden wir uns mitten am Nachmittag auf dem Scheuchzerhorn. Und wahrhaftig: Es sah genauso aus wie vor Jahresfrist im stockdicken Nebel, also waren wir auch vor einem Jahr schon oben, nur waren wir uns damals nicht sicher. Einfach wunder bar, diese Aussicht. Auch wenn wir uns „nur“ auf 3456müM befanden, es war einfach nur schön dieses Panorama geniessen zu dürfen. Der anschliessende Abstieg über das Schneefeld mit dem von der Sonne aufgeweichten Schnee stellte sicher, dass die Hosenbeine über den Schuhen unbedingt noch nass werden mussten. Nach dem Erreichen unseres Biwackplatzes richteten wir unsere Schlafstellen ein, stillten gemeinsam den Hunger und legten und vor dem Eindunkeln in unsere Schlafsäcke. Gute Nacht….


Bis der Druck im internen Boiler ein Weiterschlafen verunmöglichte, man halt aus dem warmen Schlafsack kriechen musste, das Geschäft erledigen, bei fast Vollmond die wunderbare Nachtlandschaft bewundern durfte und schliesslich wieder in den warmen Sack kriechen konnte um weiter zu schlafen.

Und um halb sieben am Morgen den Schlafsack definitiv zu verlassen um fünf Minuten später einen wunderschönen Sonnenaufgang zu sehen den man eben nur in den Bergen sehen kann. Farben wie auf den schönsten Ansichtskarten.

Nach dem Zusammenpacken unserer Habseligkeiten führte uns unser Weg quer über den Scheuchzergletscher zum Scheuchzerjoch. Dort erleichterten wir unsere Rucksäcke und nahmen nur das Nötigste auf unsere Tagestour nördlich des Jochs mit. Wie schon am Vortag mussten wir uns bald mit dem Umstand abfinden, dass wir kaum die ersten Strahler waren die diese Region besucht hatten. Alles was bloss nach Kristallen vermuten liess war gemeisselt, gegrübelt, durchwühlt, noch im ewigen Eis und doch schon angeschrieben oder leergeräumt. Trotzdem setzten wir unsere Suche fort und tatsächlich: Eine kleine Kluft am Gletscherrand liess uns einige Zeit verweilen und meinen Rucksack schwerer werden. Die Freude war gross, auch wenn die Kluft für uns drei zu klein gewesen war. Wenigstens etwas. Der restliche, noch abgesuchte Gletscherrand ergab keine nennenswerten Resultate. Auch wenn man bedenkt, dass wir zu dritt doch einige Quadratmeter abgesucht hatten und viele male hin und her sowie auf und ab rund um den Gletscher abgesucht hatten. Das Glück sollte auch an diesem Tag nicht gerade auf uns warten.

Wenigstens kehrten wir am Abend mit reichlich viel fantastisch schönen Eindrücken gesund nach Hause zurück. Trotz den nicht gerade mit Kristallen überfüllten Rucksäcken werden wir sicher wieder einmal in diesem wunderbaren Gebiet unterwegs sein.