Ärlengletscher

Nach Jahren, in denen ich nur sehnsüchtig zum schmelzenden Ärlengletscher hochgeschaut habe, besuchte ich den Gletscher heuer. Unten im Tal lag Nebel. Wer bei solchen Verhältnissen den Weg oberhalb Ärlen zur schwarzen Fluh nicht kennt bleibt besser zu Hause. Komisch: Walter von Weissenfluh vor der schwarzen Fluh….. Auch ich hatte fast Mühe, die schwarze Fluh und somit den Einstieg zum Quergang zu finden. Zum Glück lichtete sich in diesem Moment der Nebel für einen kurzen Augenblick und ich konnte dem Drahtseil entlang die schwierigste Klippe des heutigen Aufstieges bewältigen. Der Nebel hüllte die Landschaft wieder in eine feuchte Suppe. Immer wieder trieb der aufsteigende Wind die Nebelschwaden zum Ärlengrätli hoch, so dass für kurze Zeit der „Weg“ sichtbar wurde. Am Fusse des Ärlengrätli entlang hoch, höher und nochmals weiter nach oben. Wann kommt den endlich dieser Ärlengletscher? Immerhin beträgt die Höhendifferenz von der Bachfassung bis zum Gletscher etwa 800 Höhenmeter, was ich aber erst im Nachhinein recherchiert habe. Endlich kam ich beim nordöstlichen Ausläufer des Gletschers an. Von dort an zeigte sich auch die Sonne, die Temperaturen liessen den dicken Pullover im Rucksack, die Sonnenbrille musste aufgesetzt werden.

Wobei Gletscher: Sehr eindrücklich und bedenklich, wie sehr dieser Gletscher schwindet. Die untere Hälfte des Gletschers ist vollkommen zerbrochen und rutscht auf den glatten Felsplatten talwärts in den nächstunteren Geländekessel. Der obere Teil des Eisriesen hat keinen Halt mehr und rutscht nach. Dieses Rutschen konnte ich richtig hören. Das Eis knackte fortlaufen und immer wieder brachen vom kompakten Gletscher Stücke weg. Ich wagte es nicht, über die Gletscherzunge zu laufen sondern stieg bis vorne in die Geländemulde ab und umging den bröckelnden Eisgenossen so. Früher noch ein Ärlengletscher, heute ist dieser in zwei Hälften geteilt. Der obere befindet sich unterhalb der Ärlenlücke, der untere im Kessel nordöstlich davon. Der untere wird nicht mehr vom oberen gespeist und wird in wenigen Jahren wohl der Vergangenheit angehören. Der obere Gletscher wird in der Mitte durch eine Querrippe geteilt und wird immer kürzer.

Der Abstieg war wunderschön. Felsige, glatte Platten, auf denen ich tiptop Halt fand und doch schnell Höhenmeter verlor. Wieder in der Nebelsuppe der schwarzen Fluh entgegen. Tiere bekam ich keine zu sehen, einige Gämsen gaben mir jedoch zu bemerken, dass sie mich gesehen hatten.

Das Strahler Erlebnis dieses Tages ist kurz erzählt: Die kleine Spitze, die ich beim Abstieg finden durfte schenkte ich einer Wanderin, die vorne in Ärlen nach dem Weg um den Hubel fragte. Notabene wieder im Nebel wie schon am Morgen.

Fazit des Tages: Wenn man eine Gegend schon immer einmal besuchen wollte, muss man dies auch machen. Dieser Tag mit dem verschwindenden Gletscher hinterliess bei mir bleibende Eindrücke. Wenn ich nicht oben gewesen wäre hätte ich diese Eindrücke nie erfahren dürfen.