Reviermethoen

Die Frage, wer, wo, wann markiert hat taucht scheinbar dieses Jahr immer wieder auf. Nachdem die Sache mit der „Anschreibkluft“ (Siehe nächste Geschichte) begraben war wagte ich mich wieder in dasselbe Gebiet um nach neuen Schätzen Ausschau zu halten. Zwei schon über Jahre freiliegende Quarzbänder, dessen Enden im noch ewigen Eis liegen wurden von mir wieder einmal unter die Lupe genommen.

Unterhalb des ersten Bandes schien ein Strahler eher sein Revier als eine Kluft bezeichnet zu haben. In diesem Revier fand ich keine Anzeichen von Mineralien.

Das untere Quarzband war belegt, eindeutig durch Markierungen sichtbar. Beim Anderen, etwa 80Meter oberhalb, war keine Markierung und kein Werkzeug angebracht. Einzig etwa 20Meter nebendran wurde ein Steinblock als Graffitistelle benutzt und fast rundum mit Initialen bestückt. Im Umkreis wie man eine Stelle bezeichnen würde fand ich aber weder eine Kluft noch andere Anzeichen von Kristallen.

Nachdem ich in den vergangenen Jahren nur am Band herum geschnuppert hatte nahm ich heuer meine Wrkzeuge hervor und vermochte eine kleine Tasche zu öffnen. Mit dem Grübel ergatterte ich einge Quarzspitzlein. Warum nicht später nochmal, dachte ich und markierte die Stelle wie es sich gehört.

Tage später rief mich der Kollege aus der Anschreibkluft an. Nach netten Worten folgte eine nüchterne Diskussion über das obere Quarzband, das er vor drei Jahren schon gesehen habe und heuer im Juli anschreiben wollte. Da aber noch zu viel Schnee gelegen hatte fand er die angepeilte Stelle nicht und markierte nach gut dünken. Dass er rund 20Meter neben die Scheibe geschossen hatte verdross ihn nicht. Sein Kollege könne bestätigen, dass sie vor Jahren da gewesen seien und ebenfalls sei er im Besitz von Fotos, die ihre Anwesenheit an besagter Stelle bestätigen würden. Am 20. August 2008 waren mein Kollege und ich ebenfalls an diesem Band tätig, Fotos sind auch bei mir vorhanden.

Wie er seinen Anspruch auf die Anschreibkluft abgegeben hatte war es nun wohl an mir, in den sauren Apfel zu beissen. Ich überliess ihm die Stelle mit der Bemerkung, dass ein Anschreiben auf gut Glück oder nach seiner Reviermethode nicht gerade üblich sei.

Meine Gedanken sind manchmal nicht gerade die schnellsten, sonst hätte ich ihm wohl noch beibringen müssen, dass er an anderer Stelle im selben Quarzsystem wie ich am arbeiten sei. Meine Anschrift an dieser Stelle war angebracht, Werkzeug hinterlegt und die ersten Kristalle in der Vitrine bevor er sich dort breit machte. Vielleicht sollte er auch von anderen Strahlern „Reviermethoden“ anerkennen, wenn er seine Reviere weiterhin besetzen will.

September 2011

Etwas mehr als daumengross...
Etwas mehr als daumengross...

„Das Belegen einer Fundstelle zur Weiterverarbeitung hat durch gut sichtbares Hinterlegen eines Strahlerwerkzeuges und durch das Anbringen eines witterungsbeständigen Schildes mit Namen, Adresse und Datum der Erstbelegung zu erfolgen.“ So lautet der Text des Ehrenkodex der schweizerischen Vereinigung der Strahler, Mineralien- und Fossiliensammler. Hierzulande begnügt man sich grundsätzlich mit dem Anschreiben der Initialen und der Jahrzahl sowie dem Hinterlegen eines Strahlerwerkzeuges. Ein zweiter Finder sollte diese Stelle tunlichst meiden was das Besitz ergreifen von Mineralien betrifft. Nicht alle Zeitgenossen halten sich an diesen Ehrenkodex, so auch geschehen an einem im Spätherbst 2010 gefundenen Ort. Die Anzeichen einer Kristallkuft waren am Gletscherrand nur vage zu erkennen, wenn aber mehrere, gut daumengrosse Spitzen in kluftartigem Dreck im Quarzband liegen darf dies wohl als Fundstelle bezeichnet werden. Der baldige Wintereinbruch liess ein erneutes Aufsuchen der Stelle nicht mehr zu.

Die Spannung beim ersten Auskundschaften der Stelle in diesem Jahr wich dann auch sogleich einer wutähnlichen Stimmung, in der ich die mit rotem Markierspray angebrachten Buchstaben PB 07.11 zu deuten versuchte. 07.11 hinterliess der Sprayer als Finderdatum Juli 2011, aber mit PB konnte ich wirklich nichts anfangen. Tatsächlich hatte sich ein „Kollege“ in Meiner Fundstelle eingenistet. Allerdings gehe ich davon aus, dass er beim finden des Quarzbandes gleich zur Spraydose gegriffen hat, so dass ein umsichtiges Sondieren nach eventuellen Vorgängern auf der Strecke geblieben ist. Auch der Umstand, dass seine Markierung schon im Juli geschah lässt vermuten, dass mein noch an der Stelle liegendes Werkzeug von Winterschnee noch zugedeckt war.

Tage später, der Gedanke an den Nestbeschmutzer immer im Kopf, liessen mich die roten Initialen an einen Strahler zurückdenken den ich letztes Jahr kennengelernt hatte. Sein Name war Hanspeter B (oder auch nicht). Konnte PB nicht auch Hanspeter B. bedeuten? Unsere Begegnung, der Austausch von Telefonnummern, etliche Gespräche und die gemeinsame Begeisterung für Kristalle; ein klärender Telefonanruf sollte Gewissheit bringen. Gesagt getan und Hanspeter war nach kurzem Lagebeschrieb vollumfänglich geständig. Wie schon vermutet schrieb er die Fundstelle im Unwissen eines anderen Finders an. Nicht lange und wir waren uns über die Besitzverhältnisse einig und philosophierten über unsere gemeinsame Freizeitbeschäftigung. Beiden ist es lieber die Stellen des Kollegen zu augapfeln und zu melden wenn sich fremde Individuen daran vergreifen sollten. Er mir oder ich ihm Kristalle zu entwenden ist nicht in unseren Sinne. Lieber im guten Strahlerlatein über gefundene Steine erzählen und die angeblichen Funde des Gegenübers in Gedanken in die richtigen Grössenverhältnisse setzten……

August 2011