Die letzte Tour 2010

Immer wieder Neuschnee, immer wieder zugewehte Kluft, immer wieder Schnee wegschaufeln. So gestaltete sich der Strahlerherbst 2010. Die Gletscher die in den Vorjahren aper waren blieben vielerorts mit einer weissen Schneeschicht bedeckt. Ein angefressener Strahler kann aber die Finger nicht so schnell von seinem Hobby lassen, und so fand ich mich auch eine Woche nach der letzten Niederschlagsperiode wieder in den Bergen. Der Schnee war vom Kluftboden weggeschmolzen, der Boden selber aber vermochte von den wenigen Sonnenstrahlen der Septembersonne nicht mehr aufgetaut werden. So musste ich die Fundstelle unverrichteter Dinge verlassen und etwas weiter unten, wo die Sonne mehr Wirkung entfalten konnte mein Glück versuchen. Schon vor Jahren fand ich in einer kleinen Geländemulde ein viel versprechende Stelle an der ich einige dunkle Rauchquarze zu Tage fördern durfte. Damals schien die Kluft zu Ende zu sein. Wie ich nun feststellte musste damals das Ende der Kluft aus gefrorenem Kluftlehm bestanden haben. Mit dem Strahlstock konnte ich nun in den Lehm hineinstechen und erfühlte auch sogleich steinerne Stellen, die aber dem Gespür nach lose im Lehm liegen mussten. Vorsichtig löste ich den Dreck heraus und tatsächlich: Munter schauten Rauchquarz spitzen aus dem eiskalten, braunen Schlamm heraus. Die Freude nach der eher enttäuschenden ersten Fundstelle war gross, wusste ich doch dass dies wahrscheinlich die letzte Tour des Jahres sein würde. Fast vermochte ich mit meinem kurzen Stock nichts mehr zu Tage zu fördern als im finsteren Loch eine nicht allzu kleine Spitze aus dem weggeputzten Lehm herauszuragen begann. Mit den Fingerspitzen am Grübel versuchte ich das Stück vom Dreck zu befreien, wollte ich doch kein Risiko eingehen und eine Verletzung der Spitze riskieren. Mit leichtem Klopfen stellte ich fest, dass der Zapfen lose im Lehm stecken musste. Wie eine Balletttänzerin auf Zehenspitzen kam ich mir mit meinen Fingerspitzen vor. Endlich wollte das gute Stück das Licht der Welt erblicken: einen dunklen, etwa 14 Zentimeter langen Morionzapfen durfte ich mit all den kleineren Funden des Tage einpacken und zu Hause am Brunnentrog waschen und seine Einzigartigkeit bewundern.
Die letzte Tour 2010 war in allen Teilen gedeihlich: Schöne Funde, wunderbare Erinnerungen und die Hoffnung, in diesem Jahr an derselben Stelle noch andere Glücksmomente erleben zu können.

Juni 2011